Process Mining im Lebenszyklus einer Immobilie (Fokus auf betriebsrelevanten Daten)

  • Forschungsthema:Digitalisierung
  • Datum:ab WS 20/21
  • Betreuer:

    Kropp, Tobias

  • Prozess Mining ist eine junge, analytische Disziplin zum Erkennen, Überwachen und Verbessern realer Geschäftsprozesse (d. h. nicht angenommener Prozesse). Dabei wird Wissen aus Ereignisprotokollen extrahiert, die in heutigen Informationssystemen (zur Unterstützung eingesetzte Software) verfügbar sind. Im Allgemeinen kann man Process Mining als Brücke zwischen Daten- und Prozesswissenschaften verstehen (vgl. van der Aalst, W.: Process Mining: Data Science in Action, 2016, S. 16).

    In der Bau- und Immobilienwirtschaft werden im Allgemeinen komplexe und individuelle Projekte bearbeitet. Zugehörige Prozesse stellen die Anwendbarkeit von Process Mining-Methoden vor große Herausforderungen. Je höher der Standardisierungsgrad der Abläufe ist, umso besser lassen sich Process Mining-Techniken implementieren. Von der Projektentwicklung über die Bauplanung, die Bauausführung und den Gebäudebetrieb werden heutzutage prozessunterstützende EDV-Systeme eingesetzt.

    Überall dort, wo prozessbezogene Daten anfallen, bieten sich Process Mining Analysen an. Ein aktuell hochgestecktes Ziel ist die automatisierte Übernahme von gebäudebetriebsrelevanten Daten aus BIM-Modellen in CAFM-Systeme (mittels ifc.-Standard). Dazu müssen betriebsrelevante Daten bereits von den Fachplanern in das BIM-Modell integriert werden. Die Anforderungen werden wiederum direkt aus dem Gebäudebetrieb heraus definiert und müssen auch bei der Projektentwicklung Berücksichtigung finden. Dadurch entsteht bei der Planung und Pflege des BIM-Gebäudemodells ein Mehraufwand. Dieser steht der reduzierte Arbeitsaufwand bei der Stammdatenpflege im Gebäudebetrieb gegenüber. Es gilt vergleichende Analysen anzustellen und Potentiale der frühen Integration gebäudebetriebsrelevanter Daten ausfindig zu machen. Für die Messung des Aufwands in der Datenpflege im gesamten Gebäudelebenszyklus kann sich der Einsatz von Process Mining-Methoden eignen.

    - Literaturrecherche: Welche betriebsrelevanten Gebäudedaten können während des Gebäudelebenszyklus vor dem Gebäudebetrieb bereits im BIM-Modell hinterlegt werden? Erstellung eines Anforderungskataloges.

    - Literaturrecherche: An welchen Stellen entsteht Mehraufwand bei der frühen Integration gebäudebetriebsrelevanter Daten? Kann der Mehraufwand in den Planungsprozessen mit Process Mining-Methoden bestimmt/untersucht werden?

    - Befragung/Interview: In welchem Maße findet eine frühe Integration betriebsrelevanter Gebäudedaten zum aktuellen Zeitpunkt bereits statt?

    - Analyse der am Markt vorhandenen EDV-Systeme, die während der Projektentwicklung/Bauplanung/Bauausführung eingesetzt werden, hinsichtlich der „Logging-Funktionalität“: Wie werden Prozessdaten in diesen Systemen generell aufgezeichnet und sind sie für Process Mining-Analysen geeignet?

    - Ggfs. Analyse von Projektentwicklern/Fachplanern/Bauunternehmen bereitgestellter Realdatensätze (Datenaufbereitung mittels Python/R/andere Programmiersprache ist vermutlich erforderlich)